Im Juni 2010 fanden die ersten Warnstreiks bei Kröner und Crespel & Deiters in Ibbenbüren statt.
Am 23.06.2010 folgten die Mitarbeiterinnen der Ibbenbürener Stärkehersteller Kröner und Crespel & Deiters einem Warnstreikaufruf der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). In den Mittagsschichten unterstrichen die Beschäftigten vorm Werkstor ihre Forderung nach einer 4,5-prozentigen Lohn- und Gehaltserhöhung für die Stärkeindustrie NRW und Barby (bei Magdeburg). Den Anfang machten die Kröner-Mitarbeiter. Um punkt 12.30 Uhr ertönte das Signal und etwa 40 Mitarbeiter kamen zum Treffpunkt neben der Verladung. Am Nachmittag zogen die Beschäftigten von Crespel & Deiters nach, wo rund 55 Arbeitnehmer sich vor dem Werkstor versammelten.
Mit den Warnstreiks demonstriert die Gewerkschaft für eine Lohn– und Gehaltserhöhung für die Stärkebeschäftigten in NRW und Barby. Bereits in der vergangenen Woche haben die Beschäftigten der Firma Cargill im ostdeutschen Barby für zwei Stunden die Arbeit niedergelegt. Auch dort war es der erste Arbeitskampf in der 16jährigen Geschichte des Betriebs. Dass sich jetzt auch in Ibbenbüren die Beschäftigten demonstrativ hinter ihre Gewerkschaft stellen, wertet Mohamed Boudih, Geschäftführer der NGG-Region Münsterland, als Erfolg. „Dies zeigt die große Geschlossenheit unter den Beschäftigten in der Stärkeindustrie“, sagte er. Während die Arbeitnehmerseite sich von 4,5 Prozent deutlich bewegt habe, habe sich die Arbeitgeberseite in den letzten drei Verhandlungen sehr starr gezeigt. Insgesamt steigerten sie ihr Angebot von 1,7 Prozent auf 1,9 Prozent. Boudih: „Man will unter keinen Umständen die 2 Prozentlinie durchbrechen. Trotz positiver wirtschaftlicher Lage und guter Auslastung in allen Betrieben, wollen die Arbeitgeber den Kolleginnen und Kollegen nicht mehr als 1,9 Prozent geben. Wir wollen eine zwei vorm Komma.“
Gleichzeitig betont der Gewerkschafter, dass die Warnstreiks nicht gegen die Ibbenbürener Familienbetriebe gerichtet sind, sondern gegen die Politik des Arbeitgeberverbandes. „Wir hegen keine Feindschaft gegen die Unternehmen und deren Inhaber. Im Gegenteil. Die Zusammenarbeit mit beiden Unternehmen ist im besten Sinne sozialpartnerschaftlich“, sagte Boudih.
Extra zur Unterstützung angereist waren die Kolleginnen von der Firma Cargill Deutschland in Krefeld. Auch im Rheinland plant die Gewerkschaft Warnstreiks, bevor die Verhandlungen am 29.6.2010 am Verhandlungstisch fortgesetzt werden. Nach den gelungenen Aktionen in den Betrieben geht die NGG mit noch mehr Selbstvertrauen in die vierte Verhandlung.